Warum wir gerne auf TYPO3 verzichten

Als ich 2002 meine erste TYPO3 CD in den Händen hielt, war ich vom Konzept und der Umsetzung beeindruckt.

Die Vorteile von TYPO3 lagen klar auf der Hand:

  • Benutzerverwaltung
  • Mehr oder weniger Trennung von Design und Inhalt
  • Templatesystem

Abgesehen von der etwas krude geratenen Makrosprache vereinte TYPO3 alles Notwendige unter einem Dach und beschleunigte Entwicklungen von großen Websites immens. In diesem Rahmen haben wir viele Webseiten mit T3 ins Web gebracht.

Drama

Die Welt dreht sich weiter und einige unserer Kunden mussten von 4.5 auf 7.0 umgestellt werden. Wir nahmen wir uns also die entsprechenden Integrationsempfehlungen vor die Brust und machten den Test.

Es einzeln auszuführen würde den – auf Kürze angelegten – Artikel sprengen, aber von Konvertierungsfehlern bis zu kryptischen Fehlermeldungen war so ziemlich alles vertreten. Nachdem wir uns durch, wohlgemerkt nachdem wir kritische Extensions entfernt haben, durch 15 Migrationsprozesse durchgeklickt haben stand am Ende der Verlust aller Artikel. Gnade dem, der kein Backup hat.

Als Dienstleister haben wir weder die Zeit noch die Muse T3 zu debuggen oder uns durch die Untiefen von abertausend Zeilen Code zu arbeiten. Ein CMS muss sowohl für den Endkunden als auch für den Dienstleister mit moderatem Aufwand zu konfigurieren oder migrieren sein. Entsprechende FallBacks und Hinweise gehören in ein Projekt und nicht in den Migrationsleitfaden.

TYPO3 CMS 7.6.9 - Perfekte Fehlermanagement

TYPO3 CMS 7.6.9 – Perfektes Fehlermanagement auf der T3-Konsole

Die Fehlersuche für Entwickler könnte soviel einfacher sein. Es reicht den Stack in einer vernünftig formatierten Ausgabe auszuliefern. Allein die Tatsache, dass Hand angelegt werden muss um eine saubere Fehlerbeschreibung zu bekommen ist schon zuviel.

Herbe Enttäuschung

Zugegeben, wir freuten uns auf das neue Backend von T3, wurden allerdings herbe enttäuscht. Weder benutzerfreundlicher noch schneller. Die Wartezeiten übertreffen so ziemlich alles, was wir bisher an Backends gewohnt sind, und noch immer ist kein GUI für die Konfiguration des Systems vorhanden. Lernkurve ist eine Sache, brauchbare Werkzeuge eine andere…

Eine vernünftiges und schnelles GUI gibt es bei Sencha. An der Stelle sollten sich die Entwickler dann mal an Ihr Kerngeschäft, die Verwaltung von Content machen.

Zu groß – zu klein

T3 wird nachgesagt, alle Anwendungsfälle abzudecken. Leider können wir das nicht bestätigen. Für kleine Produktionen ist es zu groß und aufwändig, für große Produktionen zu schwerfällig. Eine GUI für Benutzerverwaltung und Artikelpflege ist schnell selbst gebaut, grafische Elemente und Gadgets bietet mittlerweile jedes bessere Javascript Framework und für die Anbindung an Fremdsysteme muss man dann doch selbst Hand anlegen. Welchen Vorteil bietet T3 also noch? Mit einem CMS wie WP ist eine Seite für kleinere Kunden in kürzester Zeit fertiggestellt und der Kunde kann dieses System auch ohne große Probleme und Schulungsaufwand bedienen. Große Websites und Portale mit Datenbankanbindungen und ERP-Elementen lassen sich Pure Play eindeutig kostengünstiger produzieren.

Was ein CMS können muss

Schnelle Produktionen, modernes Design als Standard, benutzerfreundliche Oberfläche und ausgereifte Schnittstellen zur Erweiterung zeichnen ein professionelles CMS aus. In Zeiten von AJAX und REST ist eine eigene Makro-/Konfigurationsprache wie TypoSkript schlicht überflüssig und lässt sich durch entsprechende Definitionen ersetzen. Weniger ist mehr.

Hardliner und Geheimwissenschaftler

Nein, wir glänzen jetzt nicht mit Kenntnissen von «echten» Programmiersprachen. Auch für den Enterprisebereich gilt eine adäquate Wahl der Mittel. Java, PHP, C/C++, Perl, …, alles zu seiner Zeit. Software muss funktional und bezahlbar sein. Natürlich werden wir auf Anfrage weiterhin  T3-Sites bauen, aber überdenken Sie das zweimal.

Fazit

Nur Wein wird mit dem Alter besser!

Nach zwei weiteren Projekten mit Konvertierung vorhandener Websites bauen wir zukünftig auf flexiblere CM-Systeme. Ein dermaßen aufgeblasenes System, ohne nennenswerten Vorteil gegenüber den auf dem Markt befindlichen, macht keinen Sinn. Und, irgendwann hat’s auch mit der Agilität ein Ende…

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